Wer ist der AK Heuschrecken NRW?

Der Arbeitskreis zur Kartierung und zum Schutz der Heuschrecken in Nordrhein-Westfalen (Arbeitskreis Heuschrecken NRW) hat sich im Mai 1990 konstituiert. Ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis arbeiten bis heute über 250 MitarbeiterInnen in diesem Arbeitskreis mit. In einer zentralen Datenbank werden alle Meldungen von Heuschrecken (Caelifera und Ensifera) aus Nordrhein-Westfalen gesammelt. Die Zahl der auf Erfassungsbögen fundortgenau kartierten Meldungen liegt mittlerweile bei nahezu 4.000. Zudem konnten fast 18.000 Einzelmeldungen von Museumsbelegen, Daten aus der Literatur, aus Gutachten und Hochschularbeiten sowie aus einer Rasterkartierung besonders der häufigeren Arten konnten(in aller Regel auf der Ebene der Messtischblatt-Quadranten)erfasst werden. Damit liegen aus 91% der Messtischblatt-Quadranten Nordrhein-Westfalens zumindest eine Art-Meldung vor. Für fünf Messtischblätter wurden bisher noch keine Daten gemeldet.

Parallel zur zentralen Datensammlung in einer eigenen ACCESS-Datenbank werden regionale Erfassungsprogramme insbesondere von einzelnen MitarbeiterInnen einiger Biologischer Stationen bzw. Naturschutzverbände koordiniert. Einige regionale Faunen wurden bislang veröffentlicht (Kreis Viersen und Krefeld, Siegen-Wittgenstein, Köln, Düsseldorf und Kreis Mettmann, Münster; s. Literaturangaben).

Nachdem 1994 ein vorläufiger Verbreitungsatlas (1995 folgte eine ergänzte 2. Auflage) auf Messtischblatt-Quadranten-Basis erstellt werden konnte (VOLPERS, CONZE, KRONSHAGE & SCHLEEF 1994), präsentiert der Arbeitskreis Heuschrecken aktuelle Beobachtungen und die weitere Entwicklung des Arbeitskreises im Internet. Aktuelle Verbreitungskarten (mit Hilfe des Geografischen Informationssystems ArcView) und Steckbriefe der in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Heuschrecken sowie eine umfangreiche Bibliografie sind mit Stand Anfang 2003 einzusehen.

In dem o.g. Verbreitungsatlas befindet sich auch die Methodenbeschreibung der Raster-Kartierung und der Fundort-Kartierung sowie ein Erfasungsbogen.

Des weiteren werden besonders bei kritischen Arten (z.B. Dornschrecken Tetrix spec., makropteren Individuen) Bestimmungshilfen geleistet sowie Adressen von Heuschreckenkundlern vermittelt. Arbeiten auf dem Gebiet der Faunistik, des angewandten Artenschutzes und des Biotopmanagements werden unterstützt und koordiniert. Nachdem bis in die 1980er Jahre hinein nur wenige Arbeiten über Heuschrecken und andere Geradflügler aus Nordrhein-Westfalen existierten unterstützt der Arbeitskreis die Erforschung und Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. So konnte z.B. die Zahl der Diplomarbeiten, die sich mit dieser Artengruppe beschäftigt, vervielfacht werden.

Nachdem in den ersten Jahren jährlich mindestens ein Kartierertreffen veranstaltet wurde, wobei alle zwei Jahre eine Fachtagung zu einem Schwerpunktthema in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Nordrhein-Westfalen ausgerichtet werden konnte, finden diese Veranstaltungen derzeit nur noch sporadisch statt. Regelmäßig werden allerdings noch Bestimmungskurse durchgeführt oder unterstützt.

Standen zunächst Beobachtung und Darstellung der Verbreitung sowie deren Ursachenforschung im Vordergrund, werden in Zukunft verstärkt naturschutzrelevante Fragestellungen, zum Beispiel im Hinblick auf Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen oder Gefährdungsursachen, zu bearbeiten sein (VOLPERS 1998).

Für 2004 ist die Veröffentlichung einer Fauna der Heuschrecken Nordrhein-Westfalens in Buchform geplant, an der zur Zeit 40 MitarbeiterInnen arbeiten. Auch darüber hinaus wird die Entwicklung der Heuschreckenfauna von Interesse sein. So konnten bei einigen Arten in den letzten Jahren (z.B. Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) oder Rotleibiger Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis)) drastische Bestandseinbußen registriert werden. Demgegenüber stehen Arten, bei denen in den letzten ca. zehn Jahren deutliche Arealerweiterungen nachweisbar waren (z.B. Sichelschrecke (Phaneroptera falcata), Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus discolor) oder Weinhähnchen (Oecanthus pellucens)).

Die Daten der landesweiten Kartierung flossen bislang in die aktuelle Rote Liste der gefährdeten Heuschrecken in Nordrhein-Westfalen (VOLPERS & ARBEITSKREIS HEUSCHRECKEN NORDRHEIN-WESTFALEN 1999), in die Entomofauna Germanica (DETZEL 2001) sowie in die Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands (MAAS, DETZEL & STAUDT 2002) ein.

Literatur:

ARBEITSKREIS HEUSCHRECKEN IM NATURSCHUTZBUND MÜNSTER (Hrsg.) (1997): Die Heuschrecken der Stadt Münster. Arten, Lebensräume, Gefährdung und Schutzmaßnahmen. -Broschüre, Münster. 47 S.

DETZEL, P. (2001): Verzeichnis der Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) Deutschlands. In: KLAUSNITZER, B. (Hrsg.): Entomofauna Germanica 5. – Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 6: 63-90.

DÜSSEL-SIEBERT, H. & M. FUHRMANN (1993): Heuschrecken und Grillen. - Beiträge zur Tier- und Pflanzenwelt des Kreises Siegen-Wittgenstein (NRW) Band 1. Erndtebrück. 71 S.

KRAMER, M. & K. KRAATZ (1996): Die Heuschrecken (Ensifera et Caelifera) von Köln. Verbreitung der Arten im Stadtgebiet und in spezifischen Lebensräumen. - Decheniana-Beihefte 35: 43-114.

MAAS, S., P. DETZEL & A. STAUDT (2001): Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands. Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. – Bonn-Bad Godesberg, 402 S.

PIEREN, H., M. HENF, T. KRAUSE, & E. BAIERL (1997): Die Heuschrecken im Kreis Mettmann und in der Stadt Düsseldorf. - Schriftenr. der Biolog. Station Urdenbacher Kämpe e.V. Band 2. Monheim. 145 S.

THOMAS, B., P. KOLSHORN & M. STEVENS (1993): Die Verbreitung der Heuschrecken (Orthoptera: Saltatoria) im Kreis Viersen und in Krefeld. - Articulata 8 (2): 89-123.

VOLPERS, M. (1994): Der Stand der heuschreckenkundlichen Erforschung Nordrhein-Westfalens (Orthoptera, Saltatoria). – Mitt. Arb.Gem. ostwestf.-lipp. Ent. 10 (3): 66-67.

VOLPERS, M. (1998): Zur Verbreitungs- und Gefährdungssituation der Heuschrecken (Saltatoria) in Nordrhein-Westfalen. – Articulata 13 (1): 71-79.

VOLPERS, M. & ARBEITSKREIS HEUSCHRECKEN NORDRHEIN-WESTFALEN (1999): Rote Liste der gefährdeten Heuschrecken (Saltatoria) in Nordrhein-Westfalen mit kommentierter Faunenliste. 3. Fassg. In: LÖBF/LAfAO NRW (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in Nordrhein-Westfalen. 3. Fassg. – LÖBF-Schr.R. 17: 523-540.

VOLPERS, M., K.-J. CONZE, A. KRONSHAGE & J. SCHLEEF (1994): Heuschrecken in Nordrhein-Westfalen. Arbeitskreis Heuschrecken NRW (Hrsg.). – Broschüre, Osnabrück. 64 S. (1. Auflage)

VOLPERS, M., K.-J. CONZE, A. KRONSHAGE & J. SCHLEEF (1995): Heuschrecken in Nordrhein-Westfalen. Arbeitskreis Heuschrecken NRW (Hrsg.). – Broschüre, Osnabrück. 64 S. (2. Auflage)

Oktober 2003

Martin Volpers
Arbeitskreis Heuschrecken Nordrhein-Westfalen
49086 Osnabrück, Jenaer Straße 2, Tel. 05402-4921, FAX 05402-4793, Martin1.Volpers2@osnanet.de (Achtung: zum SPAM-Schutz bitte beim Mailen die Nummern hinter Vor- und Nachname in der Adresse wieder streichen!)

Die Selbstdarstellung kann hier heruntergeladen werden. Zusätzlich kann ein weiterer Artikel von Martin Volpers über den Arbeitskreis heruntergeladen werden.

Auszüge aus alten Rundschreiben des Arbeitskreises sowie Kurzfassungen von Vorträgen können von der Homepage heruntergeladen werden.



zuletzt geändert: 18.08.2008